Die Affektive Konfusion

Affektive Konfusion ist die heute oft anzutreffende Verwechslung von Fusion und Liebe.

Konfusion hat, wie das Wort selbst sagt, mit Fusion zu tun. Der Begriff der Fusion bedeutet verschmelzen, vermischen oder, salopp formuliert, in einen Topf werfen. Überall in unseren fusionellen westlichen Kulturen, sei es nun zwischen Eltern und Kindern oder zwischen Partnern, können wir Reaktionen beobachten, die davon zeugen, dass Fusion mit Liebe gleichgesetzt wird.

Jeder Versuch, Autonomie zu erlangen und die Fusion oder Symbiose zu verlassen, wird als Liebesentzug gewertet und sanktioniert mit Wut, Eifersucht oder gar Hysterie. Oder es kommt bei demjenigen Partner, der sich in seinem Bedürfnis nach Fusion alleingelassen sieht, weil der andere sein natürliches Recht auf Autonomie geltend macht, ein Gefühl tiefer Verlassenheit auf, das die Verlassenheitsängste der frühen Kindheit reaktiviert und ins Bewusstsein fördert.

Dieser Prozess, wird er bewusst erlebt und als Trauerarbeit verstanden, ist äußerst positiv für die Evolution der betreffenden Person, sowohl was ihre Liebesfähigkeit angeht, als auch im Hinblick auf die Entwicklung der individuellen Kreativität. Wird eine solche Bewusstwerdung jedoch verdrängt—weil sie vielleicht zu große Ängste heraufkommen lässt und therapeutische Hilfe fehlt—so führt das dazu, dass die Person sich wieder nach einem neuen Fusionspartner umschaut, das heißt wieder eine Beziehung anfangen wird, die nicht dauerhaft sein kann, weil sie auf einer Illusion beruht. Continue reading