Zucht zur Ohnmacht

Wir werden zur Ohnmacht erzogen, nicht zur Eigenmacht!

Wohin zielt jede Art der Therapie? Den Patienten zur Ohnmacht zur führen, oder zur Eigenmacht? Ihn der Machtausübung anderer gefügig zu machen oder ihn vielmehr zu seiner eigenen inneren Macht hinzuführen? Diese Fragen sind rhetorischer Art und die Antworten leuchten jedem klar denkenden Wesen intuitiv ein. Auf dieser Ausgangsbasis möchte ich mich mit dem Phänomen äußerer Macht befassen, vor allem der Machtausübung innerhalb von Beziehungen. Dies zunächst unter einem allgemeinen Blickwinkel, später dann spezifisch hinsichtlich der Sexualität als einem wesentlichen Teilbereich menschlicher Beziehungen.

Ich möchte an dieser Stelle bereits eine Arbeitshypothese aufstellen, die ich im folgenden Teil der Untersuchung zu untermauern suchen werde. Ich behaupte, dass destruktive Machtausübung in Beziehungen stets drei prinzipielle Faktoren voraussetzt, die in einem oder beiden Beteiligten an der Beziehung präsent sind:
—Unfreiheit oder Mangel an Autonomie;
—Konfusion über die Grenzen des Körperbildes;
—Ein tief verwurzeltes Gefühl der Ohnmacht. Continue reading