Fusion und Individuation

Das Leben anzunehmen bedeutet, sich selbst annehmen.

Es bedeutet nicht, eine bestimmte Art zu sein zu übernehmen, die kollektiv befürwortet wird oder herrschend ist. Denn je mehr man sich mit kollektiven Persönlichkeitsmerkmalen identifiziert, umso mehr entfremdet man sich von seiner Eigenheit.

Das Leben anzunehmen bedeutet also vor allem, die eigene Verschiedenheit zu bejahen. Denn es ist gerade unsere Verschiedenheit, die uns singularisiert, individualisiert und aus dem Meltpot des Kollektiven heraushebt. Es ist unsere Eigenheit, die uns aus der Fusion mit dem Massengeist befreit. Dies, obwohl doch die meisten Menschen in solcher Art von Fusion leben und Sicherheit und Geborgenheit bei anderen suchen.

Dabei sind alle fusionellen Beziehungen, alles Gruppendenken, das Individualität leugnet, lediglich Verlängerungen der primären Fusion, der mit dem Mutterbauch, der Matrix, dem Nest, dem Stammbaum. Freiheit von Angst, von aller Angst, ist nur möglich, wenn diese Pseudofusion, wie ich sie nenne, ein Ende hat und der Mensch seine wahre originäre Einheit wiedererlangt hat. Dazu ist Einsamkeit oft der beste Weg. Continue reading